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Thema: Thüringens Geschichte und die Thüringischen Staaten
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Deutschland
icon1   Thüringens Geschichte und die Thüringischen Staaten #1 Datum: 05.06.2008, 09:48  

Thüringens Geschichte und die Thüringischen Staaten



Das heutige Thüringen lag in der Altsteinzeit an den südlichsten Ausläufern der eiszeitlichen Gletscher (Elstereiszeit).
Die ältesten Funde menschlicher Besiedlung im Land stammen aus Bilzingsleben, Ehringsdorf bei Weimar (Ehringsdorfer Urmensch)
sowie aus Ranis.

Um 100 v. Chr. wanderten Hermunduren aus dem Gebiet der unteren Elbe nach Thüringen ein
und vertrieben die Kelten beziehungsweise vermischten sich mit ihnen.
Letztere lebten bis um Christi Geburt südlich des Thüringer Waldes und erbauten dort ihr einziges Oppidum
auf dem Gebiet der nordöstlichen Bundesländer, die Steinsburg bei Römhild.

Im Jahr 3 n. Chr. vereinigte Markomannenfürst Marbod Hermunduren, Turonen, Quaden, Langobarden und Semnonen in seinem Reich.
19 n. Chr. vertrieb Vibilius, Fürst der Hermunduren, den Markomannen Katwalda, den Nachfolger Marbods,
und verleibte sich so den nordböhmischen Teil des Markomannenreiches ein.
Laut Tacitus (98 n. Chr.) entsprang die Elbe, deren Quelle tatsächlich im nordöstlichen Böhmen liegt, im Gebiet der Hermunduren.

Die Römer herrschten zwar niemals in Thüringen, dennoch unterhielten sie Handelsbeziehungen und unternahmen einige Expeditionen dorthin.
Vielfach wurden im Land römische Münzen gefunden, und eine in Haarhausen bei Erfurt ausgegrabene Töpferei
war fast identisch mit Töpfereien der Römer.

Im 3. Jahrhundert brachen Angeln und Warnen von Norden nach Thüringen ein und bildeten zusammen mit den Hermunduren und Turonen die Thüringer.

Um 380 n.Chr. wurden sie erstmalig in der römischen Geschichtsschreibung (bei Flavius Vegetius Renatus) unter dem Namen "Thoringi" erwähnt.
Der Legende nach besuchte der römische Geschichtsschreiber Tacitus das Gebiet und nannte die dort ansässige Bevölkerung, ihrem Glauben nach,
die "Söhne Thors", das Land beschrieb er als "Thoringia".
Der Name Thüringen lässt aber auch andere Deutungen zu, wie z.B. Hermunduren (ermena = groß, duren = fest, turon = kühn) kurz Duren,
aus Durenland dann Thüringen. Thüringen könnte aber auch einfach nur vom keltisch Wort für Volk (Teurier) abgeleitet sein.



451fällt König Attila plündernd in Mitteleuropa ein und zwingt die "Toringer" zur Heerfolge,
452 ziehen die Hunnen wieder ab.

In der Zeit der Völkerwanderung reichte das thüringische Reich des Königs Bisino südwärts über den Main bis zur Donau.
König Bisinos Burg stand wahrscheinlich im heutigen Dorf Bösenburg im Saalekreis, das urkundlich Bisinesburg genannt wurde.
Um das Jahr 500 besaßen die Warnen östlich der Saale ein eigenes warnisches Unterkönigreich.
Bisinos Sohn Ermanfried heiratet die Gotin Amalaberga, eine Nichte des großen Theoderich,
deren Ehrgeiz Ermanfried dazu treibt, sich mit seinen Brüdern Berthar und Baderich um das väterliche Erbe zu bekriegen.
Anschließend legt er sich auch noch mit den übermächtigen Franken an.



Das Reich der Thüringer unter König Hermenefried wurde 531 vom Frankenkönig Theoderich bei Burgscheidungen im Bündnis mit den Sachsen besiegt.

Thüringen wurde so über Jahrhunderte hinweg mehr ein kulturhistorisch-geographischer Begriff und entstand als administrative Einheit erst am 1. Mai 1920 wieder.
Der thüringische Volksstamm blieb nach der Niederlage jedoch weitgehend erhalten, es kam zu Einwanderungen von Franken, Sachsen und Schwaben.
Viele Stadt- und Dorfnamen in vielfältiger Zusammensetzung wie Frankendorf, Frankenroda, Frankenhausen, Sachsenburg, Sachsendorf,
Schwabsdorf, Schwabhausen usw. sind Zeugen dieser Zeit.
Im Osten Thüringens drangen Slawen bis über die Saale vor.
Beiderseits der Saale, im Vogtland und über das heutige (Ober-)Sachsen bis hinein nach Schlesien kam es zur Vermischung der Thüringer
mit den dort ansässigen Slawen.
Die ehemaligen slawischen Siedlungen sind oft an Endung mit "-itz" im Ortsnamen zu erkennen.
Thüringer haben also einst die Slawen-Gebiete östlich von Saale und Elbe kolonialisiert und ihren Dialekt auch hierher getragen,
so dass die dort gesprochene obersächsische und schlesische Mundart als Form der thüringischen erscheint.
Um 920 beginnt die Missionierung Thüringens unter Bonifatius.

Übrigens:
Die Bewohner des heutigen Sachsens stammen nicht vom niederdeutschen Stamm der Sachsen ab,
sondern sind hauptsächlich Nachfahren eingewanderter Thüringer und germanisierter Slawen (hauptsächlich Sorben und Daleminzer).
Thüringische Siedler haben einst die Slawen-Gebiete östlich von Saale und Elbe kolonialisiert und ihren Dialekt auch hierher getragen,
so dass die dort gesprochene obersächsische und schlesische Mundart als Form der thüringischen erscheint.
Als "Thüringer Mark" (Kolonie) und später als "Wettinische Lande" begann das Werden Sachsens.
Nur der Name "Sachsen" (nicht die Bevölkerung) wanderte vom ursprünglichen nord-westdeutschem Raum
über Markgrafen- und Herzogstitel langsam in die Mark Meißen (und auch nach Thüringen).
Die Kreiseinteilung des Reiches von 1512 durch Kaiser Maximilian I. gab dem Land den Namen "Obersächsischerer Kreis".
Die Bewohner ignorierten aber beharrlich das "Ober" und so übertrug sich der Name Sachsen auf diese Region (nur ihren Dialekt nennt man heute noch "obersächsisch"),
während die echten Sachsen Norddeutschlands sich seither nur noch "Niedersachsen" nennen.




Ab 1130 waren die Ludowinger führend, die auch die sächsische Pfalzgrafschaft erwarben.
Als Reichsfürsten und Kreuzfahrer, Förderer der Minnesänger und des Kirchenwesens genossen sie hohes Ansehen.
1247 starb das Geschlecht im Mannesstamm aus, und es kam zum Thüringer Erbfolgestreit.
Der hessische Besitz fiel an das Haus Brabant, Thüringen an die wettinischen Markgrafen von Meißen.
Im Grafenkrieg 1342 - 1346 gelangten die thüringischen Grafenhäuser unter die Vormacht der Wettiner,
die auch 1353 Coburg und 1372 die Grafschaft Weimar-Orlamünde erwarben.
Kurmainz hatte die Landesherrschaft über Erfurt gewonnen und war auf dem Eichsfeld zu einem größeren Territorium gelangt.

Bis 1423 führen die Wettiner den Titel "Landgraf von Thüringen",
dann werden die Markgrafschaft Meißen und die Landgrafschaft Thüringen mit Sachsen-Wittenberg zum Kurfürstentum Sachsen vereinigt.
Die vier thüringischen Staaten, die im II. Deutschen Kaiserreich noch den Namen "Sachsen" führten,
gehörten einst zum Kurfürstentum Sachsen (Ernestinische Linie), Hauptstadt Wittenberg.
Der Gesamtbesitz der Wettiner war 1485 unter die Brüder Ernst (Kursachsen mit Wittenberg, Weimar, Gotha, Eisenach, Hildburghausen)
und Albert (Herzogtum Sachsen mit Meißen, Leipzig, Dresden) geteilt worden,
daher die Benennung der beiden Linien. (Die "Leipziger Teilung" von 1485 ist die Ursache für die Existenz der heutigen Länder Freistaat Thüringen und Freistaat Sachsen.)
Als Herzog Moritz von Sachsen (Albertinische Linie), Hauptstädte Leipzig und Dresden) im Schmalkaldischen Krieg die Kurwürde an sich brachten,
blieben der Ernestinischen Linie nur noch die thüringischen Gebiete.
Ihr Besitz wurde durch Teilung außerordentlich zersplittert, allmählich aber durch Erbschaften auf die vier "Sachsen" vereinigt,
dass die Doppelnamen noch andeuten.
Die reußischen und schwarzburger Staaten hatten eine selbstständige Entwicklung, die bis etwa 1150 zurückreicht.
Die Vorfahren des reußischen Fürstenhauses waren im 12. Jahrhundert kaiserliche Vögte im Sorbenland (Vogtland)
und wurden allmählich selbstständig.
Ihr Gebiet war einst erheblich größer und umfasste auch Plauen und Hof mit.
1564 teilten die Reußen ihr Herrschaftsgebiet in die Linien Obergreiz - mittlere Linie Reuß, in Untergreiz - ältere Linie Reuß und in Gera - jüngere Linie Reuß.
Im Jahre 1616 starb die mittlere Linie Reuß aus und deren Gebiet wurde auf die beiden anderen Linien aufgeteilt.
1778 erfolgte die Ernennung zum Reichsfürsten für Reuß ältere Linie und 1790 bzw. 1806 für die Vertreter von Reuß jüngerer Linie.
Alle Fürsten und Prinzen des Hauses Reuß führen den Namen Heinrich, wobei die ältere Linie alle hintereinander bis hundert,
die jüngere bis zum Ende eines Jahrhunderts fortzählt und dann von vorne anfängt.
Im Aussterben der einen Linie fällt das Land an die andere.
1803 besetzt Preußen das kurmainzische Erfurt, das Eichsfeld und die Reichsstädte Mühlhausen und Nordhausen.
Nach dem Wiener Kongresses kamen die bisher kursächsischen Besitzungen (Thüringer Kreis) Schleusingen und Suhl,
die Ämter Weißensee und Langensalza sowie Ziegenrück aus dem Neustädter Kreis in Preußens Hoheitsgebiet.
1815 wurde das albertinische Thüringen der preußischen Provinz Sachsen zugeteilt.
Das ernestinische Thüringen zersplitterte durch weitere Teilung.

1815 treten auch alle thüringischen Staaten dem Deutschen Bund (1815-1866) bei
und entsenden ihre Gesandten zum Bundestag nach Frankfurt am Main.

Am 12. Juni 1815 gründeten sieben Studenten, die im Luetzower Freikorps gedient hatten,
zusammen mit anderen national gesinnten Studenten die Burschenschaft zu Jena ("Ehre, Freiheit, Vaterland").
Diese sieben Studenten wählten die Farben Schwarz, Rot und Gold zu den Farben der Burschenschaft.
In der Verfassungsurkunde heißt es dazu: "Eingedenk, dass bei Wartburgfest 1817 den jugendlichen Freuden
auch stets der Ernst des Lebens zu bedenken sei, bestimmen sie Rot und Schwarz zu den Farben ihres Paniers".
Anlässlich des vierten Jahrestages der Völkerschlacht bei Leipzig, dem 18. Oktober 1817,
ziehen etwa 500 Studenten der Burschenschaft und einige Professoren aus vielen deutschen Staaten mit der rot-schwarz-roten Fahne
(golden waren lediglich die Fransen) auf die Wartburg bei Eisenach (Wartburgfest),
um für Freiheit und ein einheitliches Kaiserreich zu demonstrieren.

Im Jahr 1826 kam es in den ernestinischen Ländern zur letzten dynastischen Landesteilung.
Nach dem Aussterben der Linie Sachsen-Gotha-Altenburg (1826) erhielt Sachsen-Meiningen ganz Sachsen-Hildburghausen
und den Saalfelder Teil von Sachsen-Coburg-Saalfeld.
Der Hildburghäuser Herzog erhielt dafür Sachsen-Altenburg als selbstständiges Herzogtum.
Sachsen-Coburg erhielt Sachsen-Gotha und unierte zum Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha.
Der Linie Sachsen Coburg entstammt u.a. die britische Königin - Queen Victoria (1819 - 1901),
deren Mutter Victoria Maria Louisa von Sachsen Coburg ist.

1834 erfolgte der Beitritt aller thüringischer Staaten zum Deutschen Zollverein.

Die sozialen Missstände führten auch in Thüringen zu Unruhen und Aufständen im Revolutionsjahr 1848,
gefährdeten jedoch nicht ernsthaft die Macht der Herrscher.
Während der Frankfurter Nationalversammlung diskutierte man auch die Möglichkeiten der Überwindung der Kleinstaaterei in Thüringen,
dabei wurden auch die Vereinigung mit Preußen, Sachsen und Bayern ins Auge gefasst.
Bernhard von Watzdorf, Staatsminister im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach regte dabei besonders intensiv
die Vereinigung zu einem "Königreich Thüringen" an.
Im September und Oktober kam es in vielen Gegenden zu einer Verschärfung der Revolution
und die Frankfurter Reichsregierung gewährte Hilfe in Form der Reichsexekution,
d.h. preußische und königlich-sächsische Truppen marschierten in die thüringischen Staaten ein,
um "Ruhe und Ordnung" wieder herzustellen.

Im Deutschen Krieg von 1866 schlossen sich das Herzogtum Sachsen-Altenburg, das Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha
und das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen dem Königreich Preußen an,
während das Herzogtum Sachsen-Meiningen und das Fürstentum Reuß ältere Linie Österreich unterstützten.
Das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt
und das Fürstentum Reuß jüngere Linie verhielt sich zunächst neutral, traten aber nach der Schlacht bei Könggrätz dem preußischen Bundesreformprojekt bei.
Zwei Mal kam es auf thüringischem Gebiet zu blutigen Gefechten, bei denen die Preußen Siege davon trugen.
Am 27. Juni bei Langensalza, das mit der hannoverschen Kapitulation am 27. Juni endete und am 4. Juli bei Dermbach,
worauf sich die Bayern zurückzogen.
Preußische Truppen besetzten im Juli die meiningische Exklave Camburg und am 19. September die Stadt Meiningen.
Herzog Bernhard dankte daraufhin ab und sein Sohn, Herzog Georg, schloss am 8. Oktober Frieden mit Preußen.
Preußen okkupierte auch das kleine Fürstentum Reuß ältere Linie
und erst am 26. September 1866 schloss die reussische Regentin Caroline Frieden mit Preußen.
Das kleine Land musste die enorme Summe von 100 000 Talern (manche Quellen sprechen sogar von 200 000) Kriegsstrafe zahlen
und dem Norddeutschen Bund beitreten.
Bismarck wollte zunächst die zwei preußenfeindlichen Länder ganz auflösen und erst die Fürsprache des Großherzogs Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach
bei seinem Schwager König Wilhelm von Preußen sicherte den Fortbestand dieser.


Karte Thüringens von 1914

1867 wurden alle thüringischen Staaten freiwillig bzw. auf massiven Druck und militärischer Besetzung
durch Preußen Bundesstaaten im Norddeutschen Bund und somit 1871 Bundesstaaten im Deutschen Reich.


( Quelle: deutsche-schutzgebiete.de )
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